Kurzgeschichte – Sicherheitsseil

Es ist laut, der Bass der Musik wummert und lässt die Sitzbank unter mir vibrieren.
Der Club ist so voll wie nie und alle feiern ausgelassen, die Musik durchdringt meinen Körper und ich wippe im Takt mit. Doch das ist das Einzige, was ich tue, denn ich fühle mich allein. Allein in dieser Menge von Menschen, keiner beachtet mich, wie ich in meinem blauen Kleid am Rand der Tanzfläche, auf einer Sitzbank verweile. Normalerweise sollte ich dort ausgelassen tanzen, mit meinen Freunden trinken oder einfach das Leben genießen, doch etwas bedrückt mich.

Den egal ob hier oder daheim in meiner kleinen Wohnung, seit über einem Jahr bin ich allein. Zu Beginn fand ich es noch schön Single zu sein, frei entscheiden zu können, was ich tun möchte.
Doch nun verfluche ich es, zu gern hätte ich jemanden an meiner Seite, der mich auffängt, wenn ich falle. Der mir die Angst nimmt, wenn ich vor einem unüberwindbaren Berg stehe. Der mir beisteht, wenn ich beginne zu straucheln und meine Freunde mich im Stich lassen.
Leider musste ich schnell feststellen, dass es in der heutigen Zeit verdammt schwer ist, jemanden kennenzulernen und so beginne ich langsam daran zu zweifeln jemanden zu treffen. Unruhig zupfe ich an meinem Kleid, während ich die vielen Leute auf der Tanzfläche beobachte, sie genießen ihre Zeit und haben Freude am Leben. Plötzlich wird mir bewusst, was mein Fehler ist - Ich denke zuviel.

Tu es einfach! Sei frei, befrei dich von deiner Zurückhaltung.

Ich springe auf und richte mein Kleid, den ich habe einen Entschluss gefasst. Ich werde jetzt auf die Tanzfläche gehen und Spaß haben, denn das Leben ist zu kurz, um zu warten.

Doch noch bevor ich auch nur einen Schritt vorwärts gehe, tritt jemand in mein Blickfeld. Ein großer junger Mann steht vor mir und reicht mir die Hand. „Willst du tanzen?“ …

Copyright: Jessica Stephens

Manchmal muss man erst sein Sicherheitsseil aufgeben um Leben zu können…

Jessica

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