Kurzgeschichte – keine Traumprinzen!

Bild4

Es gibt keine Traumprinzen! Der letzte Abend hatte mir das wiedermal deutlich vor Augen geführt. Wiedermal habe ich einen netten Typen kennengelernt, wiedermal haben wir getanzt, geflirtet und geredet, und wiedermal war es alles nur gespielt. Ich hasse es wenn sie das Tun, sie gaukeln dir Interesse vor, tun so als würden sie sich wirklich für dich interessieren und dann, wenn man beginnt denjenigen zu mögen, kommt der Satz, der alles zum Einsturz bringt. „Zu mir oder zu dir?“

Warum? Warum kann es nicht mal mehr sein? Warum muss es immer nur um das Eine gehen? Gibt es überhaupt noch Männer, die an einer Beziehung interessiert sind? Oder suchen die alle nur Spaß und Unabhängigkeit?
Mich macht diese ewige Gefühlsachterbahn verrückt. Seit fast vier Jahren bin ich nun schon alleinstehend, wie es neumodisch heißt. Ich gehe mindestens jedes zweite Wochenende feiern und genieße mein Leben in vollen Zügen. Doch mit der Zeit, die vergeht, kommt auch Schwermut hinzu, diese drückende Leere auf ewig allein zu bleiben. Die magische Dreißig rückt immer näher und macht mich nervös. Ich weiß noch in Kindertagen hatte man genaue Pläne für sein Leben. Mit Dreißig bin ich glücklich verheiratet, habe zwei Kinder und einen Hund. Dass dies nur ein Kindertraum war, ist mir mittlerweile durchaus bewusst und ich habe meine Wünsche an die Realität angepasst. Mir würde es schon reichen, wieder jemanden an meiner Seite zu haben, dem ich vertrauen kann und mit dem ich mein Leben verbringen kann. Doch so jemanden zu finden gestaltet sich mittlerweile wie eine Suche nach dem Traumprinzen, dabei erscheinen mir meine Ansprüche gar nicht so hochgesteckt.

Auch heute Abend ist es wieder so. Ich bin mit den Mädels unterwegs und will gerade Getränke an der Bar bestellen, als mich ein großgewachsener, leicht sonnengebräunter Mann mit einem Kurzhaarschnitt anspricht. Sein strahlendes Lächeln begeistert mich sofort und so ist es keine Überraschung, das ich mich auf eine Unterhaltung einlasse. Er ist Anwalt, geht in seiner Freizeit gern wandern und liebt es scheinbar, zu flirten, was seine Blicke mir als zu klar machen. Mein Herz ist bereits voll im Flirtmodus angekommen und möchte diesen heißen Kerl gerne erobern. Daher lege ich mich voll ins Zeug, ich lächle ununterbrochen, tanze mit ihm und hoffe darauf das er ebenfalls Interesse an mir hat. Später, als es Zeit wird zu gehen, will ich die Nummer tauschen um sich nochmal treffen und besser kennelernen zu können und da passiert es.
 „Weißt du, wie wärs wenn wir die Gespräche überspringen und du einfach direkt mit zu mir kommst?“

Meine Enttäuschung und Verärgerung hält sich in Grenzen, so sehr habe ich mich schon an diesen Satz gewöhnt. „Wollen wir uns nicht erst nochmal treffen und schauen ob mehr daraus werden kann?“ Ich versuche zumindest, die Situation noch irgendwie zu retten, aber es scheint aussichtslos. „Ehrlich gesagt, ich suche nichts Ernstes, das ist viel zu anstregend.“ Und bei diesem Satz lasse ich ihn stehen. Meine Wut über diese Dreistigkeit bereitet mir Bauchschmerzen, aber ich bin mir auch bewusst, das ich die Welt nicht ändern kann, denn es gibt einfach keine Traumprinzen!

Copyright: Jessica Stephens

Hinfallen, Aufstehen, Krone richten – weitergehen!

Die Idee zu diesem Thema, kam mir durch einen Zeitungsartikel. Denn scheinbar ist es mittlerweile ein  Trend, sich nicht mehr fest binden zu wollen.
Nichts gegen Unabhängigkeit, aber ich persönlich finde diese Entwicklung einfach nur schade und traurig.

Jessica

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.