Kurzgeschichte – Endlich frei!

Bild2

Ich bin umgeben von Leuten, die vorgeben meine Freunde zu sein, aber sind sie das wirklich? Woran erkennt man wirkliche Freunde? An ihrer ehrlichen Meinung? Daran das sie zuhören können? Ich kenne die Antwort nicht, aber ich weiß, dass dies nicht meine Freunde sind.

Sie geben sich nur mit mir ab, weil ich gut in ihr perfektes Bild von einer hübschen Mädchenclique passe. Ich bin aber nur der Ersatzspieler, falls jemand nicht kann, dass weiß ich genau.

Manchmal habe ich die Vermutung, dass sie denken, ich würde das nicht kapieren, als wäre ich zu dumm zu sehen, dass ich eigentlich nur ausgenutzt werde. Aber so ist es nicht. Ich weiß das sie das Tun, ich weiß das sie mich als Fahrerin einladen, damit sie trinken können. Ich weiß, dass sie mich brauchen, wenn sie sich abschießen und trotzdem sicher nach Hause kommen wollen, den ich bin die Vernünftige.

Was dabei keinen interessiert ist, dass ich es hasse. Ich hasse es, die Vernünftige zu sein, ich hasse es, die liebe gutmütige Freundin zu sein, die jeder ausnutzen kann. Schon immer wurde ich dazu erzogen. Es fühlt sich immer noch so an, als wäre es gestern gewesen, als ich den Satz zuletzt gehört habe – du bist die Ältestes, du passt auf alle auf. Ich vermute nicht mal das meine Eltern wissen, wie sehr mich diese Aussage geprägt hat, aber bis heute kann ich nicht aus meiner Haut.

Ich erlaube mir keine Fehler, ich laufe nicht davon, wenn es Ärger gibt, ich scheitere nicht, ich stehe immer wieder auf. Mich haben meine Erfahrungen stark gemacht, mich hat meine Erziehung stark gemacht, aber vielleicht auch zu versteift. Nie habe ich mich gehen lassen, nie habe ich etwas Dummes getan, nie habe ich einfach gelebt.

„Damit ist jetzt Schluss!“ Ich brülle so laut, dass meine Stimme die Musik übertönt. Mitten in der Unterhaltung lasse ich meine Freundinnen stehen, gehe hinüber zur Bar und bestelle mir einen Tequila. Als ich das Glas erhalte, drehe ich mich zu den Mädels um, die mich verwundert anstarren und kippe den Inhalt in einem Zug herunter.

„Und wie kommen wir jetzt heim?“ Fragt eine meiner Freundinnen. Ich gehe auf die Gruppe zu und antworte: „Besorgt euch ein Taxi!“ Dann blicke ich in die überraschten Gesichter, bevor ich mich umdrehe und im Weggehen sage: „Ach und noch was, unsere Freundschaft ist gestorben!“ Denn nun bin ich endlich frei...

Copyright: Jessica Stephens

Manche von uns, fühlen sich gelegentlich so, als würden sie in einem goldenen Käfig leben – das schwere ist allerdings, daraus auszubrechen.

Jessica

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.